«Wer den ganzen Parcours gemacht hat, kennt die Stadt wohl besser als viele Bieler», sagt Matthias Grütter.   Bild: Peter Samuel Jaggi


Medienspiegel

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13.4.2019 
Stadtführer macht auf die wichtigsten Gebäude im Bauhaus-Stil aufmerksam

Zum hundertsten Geburtstag der Bauhaus-Gründung gibt es einen Bieler Stadtparcours zum Bauhaus-Stil.
von Fränzi Zwahlen-Saner - az Solothurner Zeitung

Am 12. April 1919 wurde in Weimar vom Architekten Walter Gropius das Bauhaus gegründet. Die Kunstschule wurde nach ihrer Übersiedelung nach Dessau zur einflussreichsten Bildungsstätte für Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert. Was viele nicht wissen: Nach Tel Aviv ist Biel die einzige Stadt, in welcher der Architekturstil des Bauhauses, auch Neues Bauen genannt, seinen grössten städtebaulichen Niederschlag fand. Zwar haben hier nicht die bekannten Star-Architekten wie Le Corbusier oder Mies van der Rohe gearbeitet. Aber alle damals tätigen regionalen Architekten nahmen die Formen und Prinzipien des Bauhauses auf und realisierten sie.

Warum ausgerechnet in Biel?

«Es kam in den zwanziger und dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts in Biel vieles zusammen, was die städtebauliche Entwicklung für das Neue Bauen förderte», erklärt Matthias Grütter (55), der einen Stadtparcours zum Bauhaus-Stil in Biel verfasst hat. Der Sozialdemokrat Guido Müller (1875-1963), ein Anhänger dieser Architekturströmung, war seit 1921 Stadtpräsident. Biel erlebte zu jener Zeit eine grosse Wachstumsphase. Die umliegenden Gemeinden Vingelz, Bözingen, Mett und Madretsch wurden zwischen 1900 und 1919 eingemeindet; die Einwohnerzahlen stiegen also. Nachdem der neue Stadtpräsident die Schulden abgebaut hatte, wurde begonnen, das Stadtbild zu erweitern, neue Arbeitsplätze und Wohnungen zu bauen.

Am Anfang stand die Verlegung des Bahnhofs vom Guisanplatz an den heutigen Standort. So entstand ein neu bebaubares Gelände das zusätzlich durch die Regulierungen der Aare und der Schüss erweitert wurden. Ganze 90'000 m2 sollten neu bebaut werden. Müller versammelte dazu eine Reihe gleichgesinnter Politiker, Stadtplaner und Architekten um die neuen Quartiere «aus einem Guss» zu realisieren. «So entstanden nicht nur Einzelbauten, sondern ganze Quartiere und


Strassenzüge, öffentliche und industrielle Bauten, alle im neuen Bau-Stil. Als einzige Stadt erhält Biel 1930 Sonderbauvorschriften, welche Flachdächer für obligatorisch erklären», weiss Grütter.

Die damals entstandenen Hotels, das Volkshaus, Tramstationen, etliche Mehrfamilienhäuser, Gewerbe- und Industriebauten sind noch heute zu sehen. «Abgesehen von einigen Häusern, die in den Achtziger und Neunziger Jahren verschwanden, hat man bis heute zu dieser Bausubstanz Sorge getragen», freut sich Grütter. Wesentlich zum Erhalt habe sicher auch die Expo.02 beigetragen, meint er. «Damals hat man vieles neu erkannt, restauriert und unter Schutz gestellt.»

Die typischen Bauformen

Zu erkennen sind in Biel die Gebäudeformen, die für den Bauhaus-Stil typisch sind: Glatte neutrale Fassaden, Balkone in Beton, oft folgen die Bauten dem Strassenverlauf, die Treppenhäuser sind durch Glas sichtbar, Lifte in runden Anbauten angebracht, die Fensterfronten streng geometrisch angeordnet. Oft sind die Fassaden in den unterschiedlichsten Farben gestrichen: Alle Grün-, Blau-, Gelb- oder Rottöne, aber auch Weiss und Grau sind möglich.
Damit der interessierte Laie diesen Bauten folgen kann, hat Matthias Grütter die Broschüre «ArchitekTour Biel» realisiert. Ein Stadtführer der besonderen Art, mit welchem man auf alle wichtigen Bauhaus-Gebäude aufmerksam gemacht wird und spielerisch Informationen darüber bekommt. «Es war mir wichtig, auf einige Gebäude aus der vorherigen Gründerzeit und der Epoche nach dem Bauhaus-Stil aufmerksam zu machen.» Der gebürtige Solothurner Grütter lebt seit vielen Jahren in Biel und sagt: «Je besser ich die Stadt kennenlerne, umso lieber wird sie mir». Vor einiger Zeit hat er bereits den «Stadtparcours Biel», eine City-Tour mit Quiz und die «Schatzsuche Biel», eine Schnitzeljagd durch die Stadt konzipiert.
Die Broschüre ArchtekTour Biel kann bei Matthias Grütter bezogen werden. Die Rundgänge sind alle selbstständig und etappenweise absolvierbar. www.parcours-BielBienne.ch


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14.04.2019
Info Flash
Auf den Spuren des Bauhauses. Vor genau 100 Jahren wurde dieser Architekturstil gegründet - Biel gehört zu den Städten mit den meisten Bauhaus-Gebäuden.
Link zur Sendung (0:00 bis 3:30)    http://www.telebielingue.ch/de/sendungen/info/2019-04-14

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3./4. April 2019
Personen · Gens d'ici
Matthias Grütter, 55, lässt die Bieler Bauhaus-Epoche aufleben. Der gebürtige Solothurner drückte die Schulbank an der ehemaligen Kantonalen Verkehrs- und Verwaltungsschule in Biel. «Die Ausbildung ermöglichte mir den Einstieg bei der Post und später bei der Swisscom.» In den Achzigerjahren verkehrte Grütter im «Mausoleum», einem besetzten Haus hinter dem heutigen Bielerhof. Von hier hatte er freie Sicht auf die Bauhaus-Architektur der Rotonde und des Elite. «Biel hat eine hohe Dichte städtischer Gebäude der 1930er-Jahre», so der unabhängige Stadtführer. Die Standortverlegung des Bahnhofs 1923 schaffte Raum für ein städtisches Bauhaus-Projekt.


Daraus entstand das Bahnhofquartier, für welches Biel 2004 den Wakkerpreis erhielt. Geburtsstunde der Kunstschule «Bauhaus» war der 12. April 1919, also genau vor 100 Jahren. Im Laufe dieses Jubeljahres bietet Grütter unter anderem eine «ArchitekTour» an. Diese führt zu Gebäuden, Inschriften, Skulpturen und Details einer Ära, «in der Funktion und Farbe vorrangig waren vor der äusserlichen Ästhetik».
Ausgangspunkt des Parcours ist der Bahnhofplatz, täglich von 9-18 Uhr.

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18.08.2018

Auf der Suche nach den geheimen Codes

Biel   Eigentlich wollte er nur seiner Familie die Vorzüge von Biel zeigen. Aus einer spontanen Idee hat Matthias Grütter einen Stadtparcours mit versteckten Codes, Quizfragen und interessanten Fakten zusammengestellt. Bald hat sich gezeigt: Daran haben auch die Bieler Freude.

Sommerserie Letzte Folge. Das BT beleuchtet den Tourismus in der Region aus verschiedenen Blickwinkeln.

Carmen Stalder

Suche den dreistelligen gelben Code beim Pavillon.

Mit dieser Aufgabe beginnt der Parcours. Die Tour mit Quizfragen führt quer durch Biel, von bekannten Plätzen zu etwas versteckteren Ecken. Start ist im Stadtpark, wo der Bieler Matthias Grütter bereits wartet. Der 54Jährige ist der Erfinder des Stadtparcours. Vor Ort erklärt er den Quizfans gleicht selbst, wie sein Projekt funktioniert.

24 Checkpoints gibt es über die ganze Stadt verteilt. An einigen sind gelbe Buchstaben versteckt, an anderen müssen sich die Teilnehmer mit Hilfe von auf Fassaden angebrachten Jahreszahlen und Namensschildern eine Lösung zusammenreimen. Wer den Code gefunden hat, sucht in der von Grütter gestalteten Broschüre die dazugehörige Quizfrage.

Wann wurde das Haus mit der Hausnummer23 erbaut?

Die Suche geht los. Irgendwo an besagtem Haus muss sich eine Inschrift befinden. Der Blick wandert in die Höhe, nach links und nach rechts. Bis er auf einer Steinplatte landet, in der die Zahl eingraviert ist. Die Lösung ist gefunden, das Kästchen abgehakt. Nun heisst es, die Position des nächsten Checkpoints herauszufinden.

Alles wegen der Familie

Auf die Idee des Stadtparcours ist Grütter wegen eines Familienfests gekommen. In ein paar Wochen trifft sich seine Familie in Biel: Um die 50 Onkel und Tanten, Mütter und Väter, Grosseltern, Neffen und Cousinen aus der ganzen Schweiz. Und die  wollen irgendwie unterhalten werden. Manche von ihnen sind dem Treffen in Biel gegenüber skeptisch eingestellt. «Es hat ein paar Leute in meiner Familie, die ein schlechtes Bild von der Stadt haben», sagt Grütter. Also hat er sich überlegt, ihnen sein Zuhause zu zeigen – und zwar mit einer Schnitzeljagd.

Das markante Runddach auf dem Zentralplatz war früher eine Wartehalle des ehemaligen Tramnetzes. Heute gibt es noch acht davon, aufgrund ihrer Form auch «Pilze» genannt.

Bald stellte sich heraus, dass sein Vorhaben mehr zu tun gab, als ursprünglich angenommen. Denn Grütter begnügte sich nicht damit, ein

paar interessante Punkte auf einer Karte zu markieren. Er stellte vielmehr zu jedem Ort Hintergrundinformationen zusammen, mit historischen Begebenheiten, Informationen zum kulturellen und politischen Leben der Stadt, architektonischen und verkehrlichen Fakten. «Das war ein riesiger Aufwand», sagt Grütter. Insgesamt drei Monate hat er schliesslich an seinem Stadtparcours gearbeitet. Er hat im Internet und in Büchern recherchiert, mit Menschen vor Ort gesprochen, «die Infos kreuz und quer zusammengetragen».

Auf der Eisenskulptur liegt am Boden ein Schraubenschlüssel. Darauf steht ein Name. Welcher?

Manchmal stechen einem die gelben Buchstaben an den Checkpoints direkt ins Auge, manchmal dauert die Suche nach der Lösung länger. Verzweifeln lässt einen das Quiz aber nie. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder sollen schliesslich am Parcours teilnehmen können und dabei Spass haben.

Wenn du den Gaskessel von der Seite des Kongresshauses aus betrachtest, siehst du auf dem Dach das abgeschnittene Rohr. Tritt näher.

Zu Fuss oder per Velo

Seit dem Frühling haben 40 bis 50 Bekannte von Matthias Grütter den Parcours ausprobiert und als gut befunden:«Die Rückmeldungen waren sehr positiv.» Das Angebot richtet sich sowohl an auswärtige Besucher als auch an Bielerinnen und Bieler – und neu zusätzlich an Schulklassen. Die Tour kann zu Fuss oder mit dem Fahrrad absolviert werden. «Wer den ganzen Parcours gemacht hat, kennt die Stadt wohl besser als viele Bieler», ist Grütter überzeugt.

Auf der linken Seite des Barkenhafens findest du am Ende des Stegs, was du suchst.

Auf der Tour zwischen Stadt und See sollen die Teilnehmer die schönen Seiten von Biel kennenlernen. «Die Stadt bietet unglaublich viel und hat eine hohe Lebensqualität. Genau das will ich vermitteln.» Die ganze Tour dauert rund drei Stunden, dazwischen können beliebig viele Pausen eingeschoben werden. Ambitionierte Teilnehmer können sogar noch eine Extraschlaufe zum Pavillon einlegen. Der Schluss des Parcours befindet sich am See. Und dort wird sich schon bald Grütters Familie einfinden – hoffentlich mit einem neuen Bild von Biel.